Kulturkonferenz auf dem Weg in die «Profiliga»

von Appenzell Kulturell

Dieser Artikel erschien als Newsbeitrag nach der HV 2025 – Verfasst durch die Aktuarin Monica Dörig.

Einmal jährlich treffen sich irgendwo im Appenzellerland Vertretende der Kulturvereine beider Appenzell um die statutarischen Traktanden zu behandeln. Nun erfuhren die Mitglieder der Appenzeller Kulturkonferenz in Appenzell wie die Digitalisierung des Dachverbandes umgesetzt wird. Sie nahmen einen neuen Veranstalter in ihren Reihen auf und verabschiedeten die langjährige Aktuarin.

In einem langen aufwendigen Prozess, in den sich die Kulturkonferenz einbringen konnte, entwickelte «Saiten», das Ostschweizer Kulturmagazin, das von den Kantonen mitfinanzierte Open Data-Projekt Minasa, als Service Public für die Ostschweiz. Die Plattform ermöglicht, zentral Veranstaltungen zu
erfassen. Diese werden feinverästelt in diverse Veranstaltungskalender weiterverteilt. «Das bringt den Vorteil, dass Veranstaltende ihre Events nur noch einmal eingeben müssen, anstatt in
verschiedenen Agenden», erklärte Florian Schneider, Leiter des Ausschusses der Appenzeller Kulturkonferenz. Diese vertritt die ehrenamtlich tätigen und nicht-kommerziellen Kleinkunstveranstaltenden gegen aussen, zahlt mit Leistungsauftrag der Kantone Betriebsbeiträge aus und verschafft den Vereinen und der Organisation Aufmerksamkeit.

Erfassung über Special-Tool
Mit einem Spezial-Tool werden ab 1. Januar 2026 die Anlässe so erfasst, dass durch Eingaben der ausbezahlten Gagen die Betriebsbeiträge direkt abgerechnet werden. Das erspart den Veranstaltenden und dem Ausschuss das Einfordern sowie das Ausfüllen und fristgerechte Einreichen von Formularen und Belegen. «Wer seine Veranstaltungen nicht erfasst, bekommt jedoch keine Beiträge», mahnte Schneider. Die Mitglieder erhalten in nächster Zeit eine Einladung und Anleitung zur Erfassung ihrer Daten. Ihre Events werden danach automatisch auf die Website der Kulturkonferenz übertragen – ab 1. August.

Melanie Geiger, Verantwortliche bei «Saiten», die an der Versammlung zu Gast war, leistet bei Bedarf persönlichen Support und bietet online-Schulungen an. Minasa kann mehr als Veranstaltungen publik machen: Die Mitglieder können zum Beispiel aus ihrem Vereinsleben berichten oder Artikel über ihre Veranstaltungen publizieren. «Mit diesem grossen Schritt spielen wir fortan in der Profiliga», freute sich Schneider.

Gleichzeitig wurde die Website der Kulturkonferenz, die optisch und technisch in die Jahre gekommen ist, den neuen Bedürfnissen der Nutzenden angepasst und «aufgehübscht». Schneider zeigte auf der Leinwand die Änderungen und neue Möglichkeiten auf. Wie schon letztes Jahr angekündigt, wird die Kommunikation der Kulturkonferenz ab dem nächsten Jahr nur noch digital erfolgen. Die notwendigen Unterlagen werden aufgeschaltet.


Theaterverein aufgenommen
Nach der Genehmigung des Protokolls der GV 2024 und dem mit Applaus verdankten Jahresbericht des Präsidenten stimmten die 35 anwesenden Stimmberechtigten (von insgesamt 46) der
Jahresrechnung einstimmig zu. Sie schliesst per 31. Dezember 2024 mit einem Verlust von 608 Franken. Die Zahlen, die Kassierin Chris Nowak zusammenstellte und von den Revisoren geprüft wurden, erzählen von der Wertschöpfung, die Kulturvereine im Appenzellerland generieren: 243 beitragsberechtigte Events haben sie 2024 organisiert. Dafür erhielten sie aufgrund von 34 Gesuchen insgesamt 85 500 Franken
Betriebsbeiträge. Der Topf der Kulturkonferenz wird durch Mitgliederbeiträge (6150 Franken) – wie vom Vorstand vorgeschlagen weiterhin 150 Franken pro Jahr – und Kantonsbeiträge geäufnet (Appenzell Innerrhoden 17 000 Franken, Appenzell Ausserrhoden 65 000 Franken).

Vorstand reduziert
Veranstalter, die den Aufnahmekriterien entsprechen, können einen Antrag um Aufnahme in die Dachorganisation stellen. Die Mitglieder entscheiden an der GV, nachdem sich der Verein vorgestellt hat, darüber. Im letzten Jahr wuchs die Mitgliederzahl um vier Vereine, heuer stellte «WizArt Company» aus Herisau einen Antrag. Dessen Vertreter Reiner Büttner beantwortete Fragen eines Mitglieds. Der Verein macht Produktionstheater, das eigene und andere Stücke inszeniert und aufführt, aktuell das Musical «Mörder-Znacht». Das Mitwirken der Laien und Halb-Profis sei ihr Hobby, der Erlös werde in neue Produktionen investiert. Geld erhalten einzig die zugezogenen Regisseure, Dirigenten oder Bühnenbildner. Die Versammlung stimmte bei einer Enthaltung der Aufnahme zu.


Nach 18 Jahren als Protokollantin hat Monica Dörig ihren Rücktritt eingereicht. Sie hat bei der Punktierung für die Betriebsbeiträge assistiert und die Medienarbeit verantwortet. Sie wurde mit Dankesworten, Blumenstrauss und Geschenkgutschein verabschiedet. Der verbleibende, sich selbst organisierende Vorstand – neben Florian Schneider, Chris Nowak, Rubel Vetsch, Hanspeter Masina, Natalia Bezzola und Annelies Meier – wurde von der Versammlung in globo und einstimmig bestätigt.
Gastgebende Vereine waren «Drei Eidgenossen» und Kulturgruppe Appenzell. Deren Leiter, Dominik Ebneter und Silvio Signer, stellten ihr jeweiliges Konzept kurz vor. Nach der offiziellen Generalversammlung, der als Vertreterinnen der Kantone die neue Ausserrhoder Regierungsrätin Susann Metzger und die Innerrhoder Kulturamtsleiterin Rebekka Dörig beiwohnten, begrüsste CEO Aurèle Meyer die Gäste im «Brauquöll», dem Besucherzentrum der Brauerei Locher (und seit zwei Jahren Veranstaltungsort der «Drei Eidgenossen»). Das Unternehmen offerierte die Getränke und Verpflegung aus seinem auf Kreislaufwirtschaft fussenden Sortiment: «Aus allem was nicht in die Flasche kommt, stellen wir Nebenprodukte her», erzählte der Geschäftsführer – zum Beispiel «Tschipps» und Pizze, die serviert wurden. Für ein kurzes Intermezzo schaute das «Appenzeller Echo» vorbei. Das Trio musizierte an diesem Abend auch an der Eröffnung des Appenzeller Mittelalterspektakels.